Wenn alte Stoffe zu Kunstwerken werden

Bunte Stoffreste sind nicht nur wichtiger Bestandteil vieler Bilder des Künstlers bruno da Todi, sie sind sogar deren Seele – ein künstlerisches Plädoyer für den Menschen und die Menschenrechte.

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„Harlekine – das arrogante Spiel mit den Anderen“, bruno da Todi, 1978

Auf den ersten Blick überraschen die Gemälde von bruno da Todi: Als Laie ist man versucht, sie in der Kategorie „Collage“ einzuordnen. Wenn man sich aber die notwendige Zeit nimmt, sie aufmerksamer zu beobachten, entdeckt man, dass sie täuschen. Die abgerissenen bunten Stücke von T-Shirts und Hemden, die rosafarbenen Fetzen von Damenblusen, die Teile von Spitzen, Söckchen oder eines alten Unterrocks werden zuerst auf die Tafel aufgeklebt, danach bemalt, überspachtelt, verbrannt und lackiert – eine einzigartige originelle Technik, die ihresgleichen sucht.

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„Zen – Optimismus“, bruno da Todi, 1993

Bruno da Todi arbeitet mit Stofffragmenten, denn diese repräsentieren die Realität in seinen Bildern: Es handelt sich um keine Kopie des Echten, sie sind die echte Materie. Die Fetzen alter Kleidungsstücke – „die Aussonderungen der Konsumgesellschaft“ – geben seinen Werken den realitätsbezogenen Charakter: Ist das nur eine schöne Idee? Der aus Umbrien stammende italienische Künstler kann für jedes seiner Werke eine Geschichte erzählen und deren kritischen – manchmal aber auch ironischen – Hintergrund erklären. Durch die Stofffragmente hat er seinen stofflichen Wortschatz entwickelt, um seinen oft warnenden Botschaften einen wunderschönen ästhetischen Ausdruck zu geben – beispielsweise gegen die Heuchelei oder für die Menschrechte und -pflichten.  „In meinen Wäschebildern ist mein ganzes Sprechen über den Menschen enthalten: Die alten, bearbeiteten Stoffe bringen die Realität in meine Bilder“, betont der Künstler, der seit über zehn Jahre sein Atelier in der Fürther Straße in Nürnberg hat. Es ist kein Zufall, dass die auf der Wäscheleine hängende Wäsche eines seiner Lieblingsmotive ist, denn diese Wäsche stellt die heutige Menschheit dar – die aus Helden, Verbrechern, Korrupten und Verrätern besteht. Sich in seinem Atelier umzuschauen ist eine Bereicherung für alle Sinne: Seine Botschaft für die Menschen und an die Menschen ist hoffnungsvoll und warnend zugleich.

Alle Bilder: bruno da Todi

Aufmacher-Bild: „Aufgehängte Wäsche – die heutige Gesellschaft“, bruno da Todi, 1977

Informationen:

www.brunodatodi.de 

bruno da Todi in seinem Atelier
bruno da Todi in seinem Atelier

Der künstlerische Name bruno da Todi stammt aus dem umbrischen Todi, wo der Künstler geboren wurde. Mehr über den Künstler findet man im Buch „stelle e pane… von den Sternen zum Brot…“ von den Autoren Jutta und Joachim Lindner – ISBN 978-3-00-027043-7

 

 

Categories: Stories

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