Sind sich der Kimono und das Dirndl ähnlich?

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Heizo Takamatsu mit seinem Kimono. Bild: privat

Es ist nicht der klassische Kimono, den die jungen Menschen in Japan wieder verstärkt tragen, sondern der Yukata, eine Art Sommerkimono. Doch der Trend zurück zum traditionellen Gewand ist auch in Japan zu beobachten, bestätigt der Journalist Heizo Takamatsu. Er lebt seit längerem in Erlangen und ist ein ausgezeichneter Kenner beider Welten. Deshalb kann er die kulturellen Bewegungen gut miteinander vergleichen. „Nachdem der Kimono zuunächst in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ein gern getragenes Kleidungsstück war, das zu allen Anlässen passte, verschwand das fernöstliche Gewand mit zunehmendem Wohlstand“, führt er aus.

In den 1980er Jahren wurde der Kimono zu einem Luxusgut, der bei Zeremonien aus dem Schrank geholt wurde. Aufwändig gefertigt, mit viel Handarbeit und nach strengen Vorgaben geschneidert, hat ein Kimono auch einen stolzen Preis. Anders der Yukata. Der leichte Kimono aus Baumwolle leitet sich von den Worten yuami (gleich heißes Bad) und kinu (für Kleidung) ab. In den japanischen Badeorten Atami oder Beppu sieht man die Gäste im hoteleigenen Yukata durch die Straßen flanieren. Im Sommer kann er auch als Straßenkleidung getragen werden. Vor allem bei Volksfesten dient er dazu, durch einheitliche Muster die Zugehörigkeit zu einer Gruppe oder einem Stadtteil deutlich zu machen.

Obwohl in Japan die westliche Mode die traditionelle Kleidung fast völlig verdrängt hat, sieht man heute vor allem im Sommer wieder mehr junge Mädchen im Yukata. Anders als beim formellen Kimono kann der Yukata mit schmalem Gürtelband lässig getragen werden. Der Kimono dagegen wird meistens von Frauen angezogen. Er ist eine nicht auf die Figur zugeschnittene Damen- wie Herrenkleidung. Der Kimono kann sich jeder Figur anpassen. Das Kleidungsstück besteht aus vier langen, schmalen Stoffbahnen, von denen zwei am Rücken zusammengenäht werden und in Verlängerung die Vorderteile bilden. Die Ärmel bestehen ebenfalls aus einer einfachen Stoffbahn, die von den Schultern bis zur Seitennaht angenäht ist. Die Ärmel können kürzer oder länger sein. Ein Kimono hat keinen Verschluss. Er wird links über rechts gelegt, so dass eine Art V-Ausschnitt entsteht. Er hat auch keine Taschen. Kleine Gegenstände bewahrt man in den  lang herunterhängenden Ärmeln, im Obi – dem breiten Gürtel -, oder aber in der Öffnung vor der Brust auf. Die verwendeten Stoffe sind oft sehr kostbar. Da auch in Japan im 21. Jahrhundert angesichts der Globalisierung das Nationalgefühl zurückkehrt, ist der Kimono wieder stärker gefragt. Verschiedene namhafte Mode-Designer experimentieren mit der Kimonoform.

In Deutschland wächst das Interesse an dem Kimono. In Berlin Kreuzberg hat sich beispielsweise der Laden „Aura“ darauf spezialisiert, gebrauchte Kimonos aus Japan zu importieren, zu restaurieren und sie anschließend an die Kunden zu verkaufen, die damit fernöstliche Lebensweise verbinden. In Nürnberg hat Tanja Hechtel aus Kimono Dirndl geschneidert. Ein ambitioniertes Projekt des kleinen Labels „Divas of Vintage“, das wunderbare Kleider in kleinster Stückzahl herstellt. Hier treffen dann die beiden Kulturen aufeinander und die Traditionskleidung mit ihrer in viel Handarbeit hergestellten Tracht verbindet sich zu etwas Neuem, was fast symbolhaft für die globale Welt steht.

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Tanja Hechtel hat aus alten Kimonos neue Dirndl gezaubert. Bild: Orlando Fashion
Ein Kimono ist ein ganz besonderes kleidungstück. Aura-Mitarbeiter hilft bei der Auswahl. Foto. Nossek-Bock
Ein Kimono ist ein ganz besonderes Kleidungstück. Aura-Mitarbeiter hilft bei der Auswahl. Bild: Nossek-Bock

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