Contessa Maria Annunciata fertigt faszinierende Karnevalkostüme im Zeichen der venezianischen Tradition.

Foto: Annik_Susemihl
Bild: Annik_Susemihl
Bild: Ellen Haug

Wie so oft ist alles bei Contessa Maria Annunciata ziemlich zufällig passiert – und in der Ära der sozialen Medien sogar dank einer Gruppe bei Facebook. „Nur ausschließlich zur Vorbereitung meiner Reise im März 2016 nach Venedig bin ich in eine Venedig-Gruppe bei Facebook eingetreten, um Infos zu der Anreise, den Unterkünften, den Sehenswürdigkeiten und der Stadt selbst zusammenzutragen. Dann kam der Carnevale  und damit Bilder über Bilder von wunderschönen Kostümen. Die erste Begeisterung war da, vielleicht die erste Sehnsucht, aber damals machte ich mir noch keine wirklichen Gedanken darüber, selbst einmal ein Teil davon sein zu können,“ erzählt Contessa Maria Annunciata, die ihr Herz restlos an Venedig verloren hat. Nach einer traumhaften Woche Urlaub in Venedig wollte sie dann den Carnevale di Venezia 2017 besuchen, „aber natürlich nur komplett in Kostüm mit allem was dazu gehört,“ betont sie. Auf diese Art und Weise fing ihre Leidenschaft an. Tage- und wochenlang war sie ständig auf der Suche nach einem Kostüm und dann fand sie endlich ein Kleid, bei dem sie sich vorstellen konnte, etwas daraus machen zu können. „Danach waren Secondhandläden nicht mehr sicher vor mir, jeder Flohmarkt wurde von mir auf der Suche nach dem einen noch fehlenden Accessoire durchgekämmt, einiges von den gefundenen Stücken kam letztendlich doch nicht zum Einsatz, weil in der Zwischenzeit etwas Besseres gefunden war, und so kam Stück um Stück hinzu und die Vorstellung nahm immer mehr Form an,“ erzählt sie weiter.

Kurz vor ihrem Auftritt in der Lagunenstadt hatte sie nicht nur kalte Füße, sondern auch zittrige Knie und einen flauen Magen. Viele lächelnde Gesichter, sogar bewundernde Blicke kamen ihr entgegen. Sie erinnert sich noch heute an den Komplimenten: „bellissima oder fantastico!“

Auf die Frage, wie sie ihre Kostüme fertigt, antwortet sie, dass sie nicht mit einer Maschine nähen kann. Also sucht sie sich ein Kleid als Basis, aus dem sie ein Kostüm kreieren kann. So ist sie ständig in Secondhandläden und auf Flohmärkten unterwegs, um Nützliches zu finden. Auch im Internet findet man immer wieder interessante „Schnäppchen“, um ein Kleid perfekt zu machen. „Diese Schnäppchen können dann auch schon mal mehrere Hundert Euro kosten. Bei den üppigen Kleidern heißt es dann aber immer viel Handarbeit. Jede Perle einzelnen per Hand annähen, da ist man froh wenn dann die 600. Perle ihren Platz gefunden hat. Oft muss ich improvisieren, weil manchmal  Dinge z.B. Schuhlöffel, Holzstuhlbein oder Lampenschirm im Kostüm verarbeitet werden müssen,“ erklärt sie.

Contessa Maria Annunciata ist zu langweilig, ein Kleid nachzumachen, was es schon einmal gab. Sie würde ihre Kostüme auch niemals verkaufen, weil sie diese als ihre Kreationen betrachtet. „Die Kostüme werden zum Carnevale stark beansprucht. Nach 19 Tagen sind dann schon mal einige Fäden gezogen, der ein oder andere Fleck am Saum zu sehen oder eine Reihe Perlen hat sich gelöst. Wenn ein Kostüm das kommende Jahr wieder mit nach Venedig darf, dann arbeite ich es auf jeden Fall um, denn keine Contessa kann ein Kostüm zweimal tragen,“ beendet sie das Interview mit einem Augenzwinkern.

Bald ist es wieder soweit: Der Countdown für den Carnevale di Venezia 2020 läuft.

Bild: Klaus Dicken

Interview: Nicoletta De Rossi

Bilder im blauen Kostüm und Aufmacher-Bild: Martin Beseler

Informationen unter: gondolieri@freenet.de

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