Textil-Tagung in Nürnberg war ein Gewinn für alle Teilnehmer

Im Caritas-Pirckheimer-Haus Nürnberg stand von Freitag 4.10. bis Sonntag 6.10.2019 die Bekleidungsform „Tracht“ im Fokus der Bundestagung des Fachverbands textil e.V. In diesem sind Lehrende an Hochschulen im Bereich Textil und Handarbeit, Lehrkräfte und Textilkünstler und andere fachlich Interessierte Mitglied. Das Ziel der Organisation ist unter anderem, die Notwendigkeit eines aktuellen Textilunterrichts und des Studiums der Textilwissenschaften in Gesellschaft und Politik bewußt zu machen und entsprechende Initiativen zu ergreifen.

Bei der Bundesfachtagung in Nürnberg beschäftigten sich die Teilnehmer intensiv mit dem Traditionsgewand, das meist als Dirndl und Lederhose in Bayern überlebt hat. Aber der Tracht kommt eine vielschichtige kulturelle Bedeutung zu: Sie wird seit Jahren immer häufiger im Alltag und vor allem zur Wiesenzeit getragen. Aktuell hat die Tracht jedoch oft eher den Anschein einer situativen modischen Kostümierung und ist weniger gelebter Ausdruck von regionaler Zugehörigkeit und Verbundenheit, so wie sie in den Trachtenvereinen gelebt wird. Im Verlauf der Tagung wurde deutlich, dass Tracht ein recht junges Bekleidungsphänomen ist, d.h. seit ungefähr 200 Jahren und eben nicht seit Urzeiten, wie es immer wieder zu hören ist.

Historische Abbildungen von Trachten aus dem 19. Jahrhundert sind oft Ausdruck einer „Botschaft des Auftraggebers“ des Bildes und weniger die Abbildung der Realität der damaligen Zeit, wie Katrin Weber von der 
Trachtenforschungs- und -beratungsstelle Mittelfranken
 anhand von zahlreichen Quellen belegte. Es ist nicht immer die historisch echte Bekleidungsform, die abgebildet ist. Zum Teil sind es Kopien von bereits gemalten Personen, die gerade gut in die abzubildende Szene passen und weniger ein Beleg für regionale Bekleidungsbräuche.

Neben den Fachvorträgen und Workshops konnten die Tagungsteilnehmer die gastgebende  Stadt Nürnberg und deren Museen näher kennenlernen. Auch der Fresh Fashion Club beteiligte sich mit einem Fashion-Walk durch die Lorenzer Altstadt an dem Rahmenprogramm. Hier ein paar Eindrücke von unserem Rundgang, bei dem wir unter anderem bei Treffpunkt Wolle von unserem Mitglied Heide Freining, Abendrot und Fadengold, Susanne Bommer und Mina Station machten.

Ein besonderes Highlight war die abendliche Award-Vergabe an die Modeschulen B5. Es wurden die besten Modelle der 2018 zu Ehren der Ausstellung des schottischen Designers Rennie MacIntosh in der Kelvingrove Art Gallery & Museum designten Abendroben bei dieser Modenschau präsentiert. Der Fachverband textil e.V. hat in Kooperation mit der Initiative Handarbeit e.V. Preise ausgelobt für den „Beruflichen Bildung-Award“, der an diesem Abend nach der Modenschau den besten Jung-Designerinnen und – Designern der B5 Modeschulen überreicht wurde. Die Fachjury, der auch die Schirmherrin des Erasmus+ Projektes MacIntosh Petra Maly angehört, prämiert Einfallsreichtum, Abstimmung des Designs auf die Aufgabenstellung sowie die Professionalität der Verarbeitung.

Barbara Hanne und Prof. Waltraud Rusch vergaben die prämierten Awards an die strahlenden Bekleidungstechnikerinnen:

1. Preis: Tabea Matthes

2. Preis:  Gianna Caopbianco

3. Preis: Özge Yeni

Der Publikumspreis wurde an Lucas Meier verliehen.

Text: Barbara Denker /Barbara Hanne

Bilder: Barbara Denker/ pnb

Categories: Franken,Lokal

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