Souvenirs aus Lyon, der Stadt der Seide

Zugegeben, eine Seidenfabrik stellt man sich größer vor. Die Soirerie Saint-Georges in Lyon ist eher ein Atelier mit angeschlossenem Verkaufsraum als eine Fabrik. Genau genommen sogar eher ein Museum als ein moderner Handwerksbetrieb. Lyon ist die Stadt der Seide in Frankreich. Die Canuts, so wurden die Seidenweber von Lyon seit dem 16. Jahrhundert genannt, lebten und arbeiteten auf der Insel zwischen Rhone und Saone, dem alten Lyon, auch als der Hügel von Croix-Rousse bekannt.

Heute wird kaum noch Seide in Europa hergestellt. Die Soirerie Saint-Georges ist eine der letzten Stätten in Frankreich. Bei einer geführten Tour können die Besucher erfahren, wie Seide und Goldfaden auf Jacquard-Webstühlen aus dem 19. Jahrhundert zu feinen Stoffen verwebt und die Seidenstoffe bemalt werden. Gezeigt werden auch exklusive Stoffe für Modeschneidereien und für Restaurateure. Diese verwenden die Stoffe aus der Hand von Ludovic de la Calle, dem Besitzer der Soirerie Saint-Georges, in Schlössern für Möbelbezüge und Wandbehänge.

Unter König Franz I. wurde Lyon 1536 der einzige Freihafen für Seide im französischen Königreich. Die „Seiden-, Gold- und Silber-Weber“ ließen sich im Saint-Georges-Viertel nieder. Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelte der Erfinder Joseph-Marie Jacquard den halbautomatischen Webstuhl, der mit einem Lochkartensytem funktionierte. Jacquard, nach dem auch die gleichnamige Webart benannt ist, stammte aus Lyon und revolutionierte mit seinem Webstuhl die Textilindustrie. Auf dem Hügel von Croix-Rousse wurden für diese neuen Webstühle spezielle neue Häuser gebaut und das typische Geräusch der handbetriebenen Webstühle verschwand aus dem Viertel.

In der Soirerie Saint-Georges kommt heute noch ein klappender, traditioneller Webstuhl zum Einsatz. Und wer nicht nur Stoffe, Litzen und goldgewirkte Bänder bestaunen will, hat die Möglichkeit sich aus einer Vielzahl von Seidenstücken in der Soirerie Saint-Georges auch einen seidenweichen Schal, ein Halstuch oder eine Krawatte auszusuchen. Die Preise sind durchweg vernünftig.

 

Alle Bilder: Nicola Mögel

Informationen:

Das kleine Seidenatelier kann von Dienstag bis Samstag von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 19 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt ist frei. Für Besuchergruppen wird um eine telefonische Anmeldung gebeten.

Soierie Saint Georges
 

Categories: Mode und Reisen

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