Presse

Nürnberger Zeitung 11.03.2015, Seite 22

Auf AEG treffen sich Mode und Wissenschaft
Forscher packen Energie für unterwegs in die Handtasche ein


Das Handy ist natürlich immer dann leer, wenn keine Steckdose in der Nähe ist. Da wäre es doch praktisch, wenn sich Handtasche oder Rucksack in einen Stromlieferanten verwandeln würden. Monika Voigt, Physikerin an der Uni Erlangen-Nürnberg, erforscht organische Elektronik und druckt flexible Solarzellen auf Glas, Plastik und sogar Stoff auf. Bei einem Workshop auf AEG am kommenden Mittwoch, 18. März, stellt sie die modische Energie für unterwegs vor.

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Solarstromanlage auf dem Hausdach wiegt 16 Kilogramm pro Quadratmeter. Das möchte nie­mand mit sich herumtragen. Soge­nannte organische Solarzellen aus Kunststoff sind dünn wie eine Folie, biegsam, und ein Quadratmeter davon wiegt nur ein Gramm – das ist trag­bar. Deswegen arbeiten Wissenschaft­ler daran, Mini-Photovoltaik-Anla­gen auf Kleidung und in Taschen auf­zubringen. Nicht nur zum Vergnügen, sondern auch für Notfälle.
„Die Solarzellen laden einen Akku in der Tasche auf, an den man dann sein Handy, die Digitalkamera oder den MP3-Player anschließen kann“, sagt Monika Voigt. Die Physikerin ist seit 2012 Projektleiterin an der Techni­schen Fakultät in Erlangen für das Drucken und Beschichten organischer Solarzellen und Module auf Glas und Plastik. „Bei gutem Wetter reicht der Strom, um ein Smartphone in ein bis zwei Stunden aufzuladen.“ Für den leeren Akku eines Laptops ist die Leis­tung aber noch zu schwach.
Auch wenn für viele Menschen ein leeres Handy einer Katastrophe gleich­kommt – in einem wirklichen Notfall könnten die Energieerzeuger für un­terwegs ebenfalls helfen. Bei Lawinen­opfern könnte der Strom aus dem Rucksack dazu dienen, ein automati­sches Notsignal abzusetzen. „Es ist heutzutage möglich, immer mehr Funktionen auf Textilien wie T-Shirts oder eben Taschen aufzubringen, zum Beispiel Streifen aus Leuchtdioden oder eben auch Solarzellen in jeder
Form und Farbe“, sagt Voigt. „Die bes­ten Resultate erzielen wir bislang mit Schlitzdüsenverfahren und Inkjet-Druck.“ Einige Firmen haben sich auf organische Photovoltaik, kurz OPV, spezialisiert. Sie drucken die Folie auch auf Fensterglas, um mehr Fläche eines Hauses zur Stromgewinnung nutzen zu können. In Erlangen statten die Forscher diesen Sommer außer­dem ein Autodach damit aus. „Der Wirkungsgrad muss noch besser wer­den“, sagt Voigt. Silizium-Solarzellen a! uf einem Dach haben derzeit eine Effizienz von 15 Prozent. Der Welt­rekord für organische Solarzellen liegt bei zwölf Prozent, und die ge­druckten Solarzellen im Labor errei­chen vier bis fünf Prozent.
Voigts Workshop mit dem Titel „Eine spannende Mode – Electrify your style!“ ist Teil der Eröffnung des neuen Nürnberger „Fresh Fashion Clubs“, den das Amt für Wirtschafts­förderung unterstützt. Die Internet-Plattform soll ein Netzwerk der Mode­szene in der Metropolregion werden und Kreative zusammenbringen.
cm Eröffnung des „Fresh Fashion Clubs“ am Mittwoch, 18. März, ab 16 Uhr „Auf AEG“, Muggenhofer Str. 141 in Nürnberg. Workshops im Anschluss mit Anmeldung 0171/1914352 www.fresh-fashion.club


Mit der Solartasche lassen sich Handys und MP3-Player unterwegs aufladen.
Foto: Neuber Gmb H & Co.KG

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