Peter Lindbergh zeigt berühmte Super-Models von ihrer besten Seite

Nur ein paar Sätze sagt Peter Lindbergh bei der Vernissage seiner Ausstellung „From Fashion to Reality“ am 12. April in der proppenvollen HypoKunsthalle in München. Dann lässt er seine Bilder sprechen. Bei einem Rundgang durch die Ausstellung mit der internationalen Entourage verweilt er nur kurz vor den großformatigen Fotos mit Ikonen der Modewelt. Schließlich zückt Lindbergh selbst sein Smartphone und filmt die Szenerie. Koketterie mit der modernen Zeit oder Zugeständnis an die aktuelle Kultur der Echtzeit-Fotografie?

Sicherlich beides. In einem Interview zur Ausstellung, die zunächst in Rotterdam gezeigt wurde, hat der Meister der schwarz-weiß Fotografie noch die Selfiemania kritisiert. Sein Werk wirkt wie ein Gegenentwurf zur Netzkultur. Es ist eine Sammlung von sorgfältig inszenierten Bildern. Der ungewöhnliche Blick auf Menschen ist sein Markenzeichen. Mit sorgfältigen Arrangements rückt er in die Nähe der Malerei der klassischen Moderne. Dabei wirken seine Aufnahmen keineswegs zeitlos. Sie stehen für eine Epoche, in der Mode von Super-Models präsentiert wurde. In den 1990er Jahren hat Lindbergh einige davon selbst entdeckt und mit seinen Fotos berühmt gemacht. Linda Evangelista, Claudia Schiffer, Cindy Crawford zählen zu den Star-Models, die vor seiner Kamera posierten. Dabei gelingt es dem berühmten Fotografen, die Frauen zum Leuchten zu bringen. Ihre Persönlichkeit und besondere Ausstrahlung hält er fest und dies fesselt den Betrachter. Die in München gezeigten Fotos transportieren nicht den Glamour der Haute Couture, sondern betonen die Charakteristika der verschiedenen Frauen.

Kein Wunder, dass sich Stars wie Tina Turner, Charlotte Rampling oder Jeanne Moreau zum Fotoshooting einfanden. Wände voller faszinierender Portraits zeugen in der Münchner Ausstellung davon. Dennoch ist sie nicht nur eine Hall of Fame und das verdankt die Hommage an Lindbergh dem Kurator Thierry-Maxime Loriot. Er inszenierte die Präsentation als Mischung aus Werkstatt mit Dunkelkammer und Sammlung von Dokumenten aus dem Arbeitsleben des Modefotografen. Dazu kombinierte Loriot Botschaften, die der 73-jährige mit seinem Schaffen verknüpft. Für Lindbergh gehört dazu eine politische Haltung. Sie findet sich in seinen Bildern ebenso wieder wie der Wunsch, mit der Kamera Geschichten zu erzählen.

Am Abend der Ausstellungseröffnung (am 12. April) verweigert der Meister aber Anekdote aus 40 Jahren Schaffenszeit. Das ist ein bisschen schade. Aber Lindbergh macht klar, dass er sich hinter der Kamera deutlich wohler fühlt als davor. Mehr über ihn, seinen Werdegang und sein Werk ist im Ausstellungskatalog zu finden.

Man sollte sich Zeit nehmen für den Besuch dieser erlesenen Bilderschau mit Arbeit von 1978 bis heute. Mehr als 220 Fotografien sind zu sehen. Viele hängen in schwarz oder gehaltenen Räumen, was ihre Wirkung noch verstärkt. Die Ausstellung ist bis zum 27. August 2017 in der HypoKunsthalle München zu sehen. Informationen zu Öffnungszeiten und Begleitprogramm hier.

Alle Bilder: Orlando Fashion

 

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