München: Mugler verführt mit futuristischer Couture und Phantasie

Die Inszenierung der extravaganten Entwürfe des Designers in der Ausstellung Thierry Mugler: Couturissime in der Hypokunsthalle München ist absolut sehenswert. Der Besuch der Hommage an das Ausnahme-Talent und ein Bummel durch die Einkaufsstraße rund um den Ausstellungsort Fünf Höfe in der Innenstadt ist ein gutes Programm für einen Kurztrip in die Bayerische Landeshauptstadt. Der Fresh Fashion Club hat es ausprobiert. Die Ausstellung Thierry Mugler: Couturissime ist bis zum 28. Februar 2021 in München zu sehen.

Was Haute Couture als Interpretation aktueller Zeitströmungen leisten kann, ist in der Ausstellung Couturissime zu erleben. Der bekannte Mode Experte Thierry-Maxime Loriot beweist als Kurator erneut sein Talent für die Schaffung von Räumen, die mit den gezeigten Exponaten zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen. Loriot zeichnete auch für die spektakuläre Gaultier Ausstellung und die Retrospektive zu Peter Lindbergh verantwortlich. Die Mugler Präsentation entstand in Zusammenarbeit mit Nathalie Bondil, Generaldirektorin und Hauptkuratorin des Montreal Museum of Fine Arts.

Eindrucksvoll setzt die Ausstellung in acht Stationen Akzente zu dem umfangreichen Werk von Mugler. Bei jeder Station wird die Inspirationsquelle sichtbar, aus der sich Ideen für seine Entwürfe speisen. Der erste Akt widmet sich „Futuristischer Couture & Fembots“. Zunächst verstörend wirken die Maschinenmenschen, die mit chromblitzenden Details aus der Welt der Automobile dekoriert sind. Auch die in moderne Materialien eingezwängten Modelle wirken skurril. Doch die Verbindung zu den Vorbildern wie dem berühmten Film Metropolis und Anlehnungen an Weltraumgeschichten führen zu einem nachvollziehbaren Gesamtbild. Für Mugler ist der Mensch zerbrechlich. Wenn er aufbricht in die moderne Welt des 20. Jahrhunderts, muss er geschützt werden. Für diese Herausforderung hat er mit seinen kunstvollen Rüstungen eine schützende Hülle geschaffen.

Die Ausstellung zeigt rund 150 Haute-Couture- und Prêt-à-porter-Outfits des visionären Couturiers, Regisseurs, Fotografen, Parfümeurs und Tänzers, die größtenteils noch nie ausgestellt wurden, sowie Accessoires, Bühnenkostüme, Videos, nahezu unbekannte Entwurfszeichnungen und Archivmaterialien. Zahlreiche Werke berühmter Modefotografen runden die Schau ab. Mit ihrer Inszenierung wirkt die Ausstellung wie ein Theaterstück. Sie weckt Emotionen und lenkt den Blick auf die Fashion Trends der 1980er und 1990er Jahre.

Dabei zeigt Mugler bei der Interpretation der Geschlechterrollen eine erstaunliche Weitsichtigkeit. Der Jumpsuit wird zum Kleidungsstück für Männer, Frauen und alle, die sich in keiner der beiden Rollen wiederfinden. Dennoch betont er die zutiefst weiblichen Besonderheiten wie eine Wespentaille und einen sinnlichen Po. Das Dekolleté derrière, eine verführerische Rückenansicht, verlängert er humorvoll. Viel Haut in Kombination mit kalten Materialien, wie Metall und Glas, sorgen für aufregende Kontraste.

Mode zu schaffen, war für Thierry Mugler nicht genug. Der Künstler fotografierte selber, setzte seine Modelle in ungewöhnlichen Kulissen in Szene. Dabei konkurrierte er mit Größen seines Genres wie Helmut Newton, der überhaupt den Anstoß für seine Modefotografie gab.

Nach dem Abschied aus der Modewelt hat sich Mugler stark verändert. Er nennt sich seitdem Manfred Mugler und konzentrierte sich stark auf  Bühneninszenierungen. Die Nähe zu Musikern, für deren Videos er die Kostüme schuf, besteht schon lange. Allerdings spezialisierte er sich in den letzten Jahren auf Revue-Programme wie Mugler`s Follies im Jahr 2013. Ein Teil der aufwändigen Kostüme sind in der Ausstellung zu sehen.

Für einen Besuch sollte ausreichend Zeit eingeplant werden. Es ist ein umfangreicher Katalog zur Ausstellung erschienen.

Infos zur Ausstellung hier.

Bilder: Petra Nossek-Bock ( 12 ) und DL (2).

Categories: Mode und Reisen

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