Modefotos aus der Sibylle in Rostock

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1959, Ausgabe 5, Cover © Bild: Altendorf ©Reproduktionsfoto: Werner Mahler

Die Fotos sind beeindruckend. Die Bildersprache entspricht dem gängigen Stil der Modefotografie der jeweiligen Epoche. Dennoch war die DDR – Modezeitschrift Sibylle kein Hochglanzprodukt, sondern zeigte Frauen in einer ungewöhnlichen Umgebung. Sie transportiert damit das herrschende Frauenbild in der DDR. Eine Ausstellung in Rostock würdigt das Magazin mit Kultstatus bis Mitte April.

Sie war etwas ganz Besonderes, die Frauenzeitschrift Sibylle. 1956 gegründet, begleitete das Modemagazin mehrere Frauengenerationen in der DDR. Während sich im Westen die Brigitte etablierte oder die Vogue, gab es im Arbeiter-und Bauernstaat Sibylle. Die transportierte das Bild der modernen arbeitenden Frau. Dafür postierten die Models auch gerne mal vor einem Mähdrescher oder in Industrielandschaften. Eine Ausstellung in der Kunsthalle Rostock ermöglicht eine Wiederentdeckung der DDR-Modefotografie.

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Werkansicht: Sibylle Bild: Moll, 1968, ©Reproduktionsfoto: Werner Mahler
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Bild: Sibylle 1994 , Rival

Die Zeitschrift Sibylle nannte sich im Untertitel „Zeitschrift für Mode und Kultur“, weil für die Macher, vor allem Fotografen und Designer, Mode und Kultur als gleichrangig galten. Für den Kurator Dr. Ulrich Ptak ist es daher keine Frage gewesen, dass Modefotografie auch in einem Kunstmuseum ihren Platz hat. Immerhin konnten die Rostocker früher schon einmal mit einer Ausstellung über den Modedesigner Wolfgang Joop punkten. Es war ein großer Aufwand, bis die Exponate alle gesichtet waren. Denn die Sibylle, die nach der Wende 1995 ihr Erscheinen einstellte, verfügt über kein Archiv. Es musste also mühsam alles Material zusammengetragen werden. Von den 13 Fotografen, die mit ihren Aufnahmen zur Ausstellung beitragen, lebt die Hälfte nicht mehr. Eine solche Recherche zu bewältigen, wäre ohne den Enthusiasmus von Ute und Werner Mahler nicht möglich gewesen. Sie hat selber als Modefotografin bei der DDR-Modezeitschrift gearbeitet, er ist ebenfalls Fotograf und hat die repros für die Ausstellung angefertigt.

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Bild: Sibylle, 1980, U. Mahler

In der DDR kannte jeder die Bildersprache von Henri Cartier Bresson, dem französischem Pionier der Fotografie, erklärt Ptok. In dessen Tradition stehen viele Aufnahmen. Sie entstanden überwiegend auf der Straße, nicht in perfekt ausgeleuchteten Studios. Das lag aber auch zum Teil daran, dass es eine Ausstattung wie sie die Profis im Westen verwendeten, in der DDR nicht gab. Überhaupt war die Mangelwirtschaft und der Erfolg der Sibylle ein scheinbarer Widerspruch. Das alle zwei Monate erscheinende Modemagazin hatte eine Auflage von rund 200 000 Exemplaren. Doch was dort gezeigt wurde, gab es in den Läden nicht zu kaufen. Ingrid Feuerstein, Journalistin aus Rostock, beschreibt das so: Die sorgfältig inszenierten Fotografien vermittelten den Zeitgeist, spiegelten ihn wider und haben ihn geprägt. Die rote Schleife beispielsweise, die ein von Günter Rössler fotografiertes Model auf dem Titelbild trug, banden sich dann unzählige junge Frauen genauso ins Haar. Für viele „Sibylle“-Leserinnen waren die Fotografien zudem Inspiration, die dargestellte – aber meist nicht im Handel käufliche Mode –  nachzuschneidern. „Die Sibylle war ein Phänomen“, würdigt Kunsthallen-Chef Uwe Neumann. Sie habe eine tolle Arbeit in der Erziehung geleistet und verschiedene Generationen kulturell geprägt.

In einer Auswahl zeigt die Kunsthalle Arbeiten von 13 Fotografen (Sibylle Bergemann, Arno Fischer, Ute Mahler, Werner Mahler, Sven Marquardt, Elisabeth Meinke, Roger Melis, Hans Praefke, Günter Rössler, Rudolf Schäfer, Wolfgang Wandelt, Michael Weidt, Ulrich Wüst). Ergänzend dazu ist ein chronologischer Abriss der Sibylle-Ausgaben mit Reproduktionen von einzelnen Heften zu sehen, beginnend mit der ersten Ausgabe 1956 bis zum Jahr der politischen Wende. Im Erdgeschoss des Hauses werden bisher unveröffentlichte historische Filme von Modeschauen und Objekte aus dem Nachlass des Modeinstitutes der DDR gezeigt. Sie machen das Phänomen der Sibylle in einer atmosphärisch dichten Inszenierung nachvollziehbar. Kooperationspartner ist das Stadtmuseum Berlin. Hier eine gelungene Besprechung der Ausstellung von Ingrid Feuerstein in der Internet-Zeitung „Das ist Rostock„.

Aufmacher-Bild: 1962, Ausgabe 4, Seite 38-39 © Foto: Fischer ©Reproduktionsfoto: Werner Mahler

Infos zur Ausstellung in der Kunsthalle Rostock, Öffnungszeiten und Anfahrt –  bis zum 17. April 2017

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1974, Ausgabe 6, Seite 20-21 Modegrafik von Hans Ticha © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 ©Reproduktionsfoto: Werner Mahler

 

 

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