Mode für Allergiker kommt aus Berlin

Sabine Schmidt besetzt mit ihrem Label Xaxiraxi eine wichtige Nische im Modemarkt. Die 51-jährige Berlinerin litt viele Jahre an einer starken Neurodermitis. Jetzt hat sie das erste Modelabel für „Hautkleidung“ gegründet. Ihre hautfreundlichen Tuniken, Kleider, Hosen und Boleros hat die Gründerin erstmals auf der Allergy & Free From Show in Berlin im Frühsommer vorgestellt.

Das Thema Kleidung hat Sabine Schmidt seit langem verfolgt. Immer wieder habe sie schöne Kleidungsstücke verschenken müssen, weil ihre Haut allergisch auf den Stoff reagierte. Selbst Kleidung aus zertifizierter Bio-Baumwolle und anderen ökologisch hergestellten Naturmaterialien biete keinen verlässlichen Tragekomfort für Hautempfindliche, hat sie schmerzhaft erfahren. „Gewebte Stoffe aus Baumwolle, Leinen und Wolle haben oft eine raue Oberfläche. Auch Seide kann noch so wunderschön sein: Für eine Haut, die permanent eingecremt werden muss, ist sie denkbar ungeeignet,“ erklärt sie.

Auf der Suche nach attraktiver Mode für Menschen mit Neurodermitis oder Kontaktallergie ist Sabine Schmidt bis heute nirgendwo fündig geworden. Kurz entschlossen hat die studierte Diplomkauffrau das Thema schließlich selbst in die Hand genommen. In Gera fand sie einen Fashion-Spezialisten, der Schnitte und Nähte nach ihren Vorgaben entwirft. In Berlin traf sie mit Katrin Dauer von Biostoffe-Berlin zusammen. Die erfahrene Textildesignerin weiß, worauf es bei Kreationen aus Bio-Baumwolle ankommt und lässt bei mit dem Ökosiegel GOTS zertifizierten Produktionsfirmen herstellen.

Mit Xaxiraxi ist jetzt das erste Modelabel für Kleidung am Markt, das vom Stoff über die Farbe bis zu Schnitt und Nähten auf hautfreundliche Eigenschaften achtet. Dabei geht es der Gründerin mit ihren lebensfrohen Entwürfen um weit mehr als die Vermeidung von unnötigen Hautreizungen. „Ich will mich schön fühlen können und Freude am Leben haben, auch wenn meine Haut aufgerissen oder schuppig ist. Wie oft zieht man sich gerade im Sommer resigniert in die eigenen vier Wände zurück, weil die einzige Alternative darin besteht, unter Lagen von Stoff zu schwitzen, um die Haut zu verstecken. Das tut weder der Haut noch einem selbst gut. Unsere Stoffmuster überspielen perfekt. Und die Schnitte schützen die empfindlichen Körperstellen und lassen trotzdem viel Luft an die Haut.“

Produziert Hautfreundliches aus Bio-Baumwolle für Frauen mit Hautleiden: Xaxiraxi Gründerin Sabine Schmidt
Bild: ©Xaxiraxi/Lidia Tirri /obs/Xaxiraxi

Häufig ist der Verbraucher auf sich gestellt, wenn es  um die Frage geht:“ Welche Schadstoffe haben Eingang in die Stoffproduktion gefunden?“ Ob bei der Anpflanzung von Baumwolle, Flachs oder beim Seidenbau eingesetzte Insektizide und Pestizide, ob Farbstoffe, Imprägnierungen oder synthetische Beimischungen – der toxische Cocktail, der in vielen Kleidern steckt, würde einen dicken Beipackzettel füllen. Hunderte so genannter Ausrüststoffe machen eine Kennzeichnungspflicht schwierig. Die wäre aus Sicht vieler wünschenswert. So ist nach Auffassung von Experten allein von rund 1600 eingesetzten Farben nur ein verschwindender Teil unbedenklich. Zahlreiche Stoffe gelten als fruchtschädigend und krebserregend. Noch dazu sind sie biologisch nicht abbaubar. Über die genaue Wirkung der meisten eingesetzten Chemikalien jedoch ist schlicht wenig bekannt. Umfassende Kenntnisse über mögliche Risiken fehlen nach Aussage des Bundesinstituts für Risikobewertung allein schon deshalb, weil es keinerlei Zulassungs- oder Anmeldepflicht für Textilien gibt.

Experten warnen seit Jahren vor den schweren Gesundheits- und Umweltschäden, welche die giftigen Zusätze von der Produktion bis zur Entsorgung von Kleidung anrichten. Dringend empfohlen wird daher auch die gründliche Wäsche neuer Kleidungsstücke vor dem ersten Tragen. Nur: Reicht das aus? Hautärzte vermuten, dass die Zunahme von Kontaktallergien besonders auch den Kleidergiften geschuldet ist. Doch fehlt hier noch der wissenschaftliche Nachweis. „Es gibt keine einheitlichen Produktionsstandards. Allein die chemischen Farbstoffe in den Textilien sind so unterschiedlich zusammengesetzt, dass das Ergebnis unserer Studie dazu unbefriedigend war“, berichtet der Erlangener Dermatologe Wolfgang Uter über eine der seltenen Untersuchungen zu dem Thema. Für unbedenklich hält er die Textilien dennoch nicht. Von insgesamt 3.041 Testpersonen hatten 40 auf die enthaltenen chemischen Farbstoffe reagiert. Immerhin verzichteten heute viele Hersteller auf eine Reihe problematischer Chemikalien und produzierten nach strengeren Standards. „Wer beim Kleiderkauf auf Nummer Sicher gehen will, sollte auf entsprechende Textilsiegel achten“, rät Wolfgang Uter.

Von denen gibt es neben dem am weitesten verbreiteten Öko-Tex 100 inzwischen eine ganze Reihe. So bieten etwa Ökolabels wie Avocado Store, Cotonea, Grüne Erde oder Hess Natur einer wachsenden Kundschaft Giftfreies aus ökologisch zertifizierter Produktion an. Selbst Textilriesen wie C&A oder H&M haben das Geschäft mit den Öko-Siegeln entdeckt. Doch wer seine Haut, die Umwelt und die in der Textilbranche Beschäftigten zuverlässig schonen will, muss sich auskennen im Dschungel der Zertifikate. So entdeckt etwa Greenpeace bei allen Siegelanbietern Verbesserungsbedarf, auch mit Blick auf die beim Färben und in der Textilveredelung eingesetzten Chemikalien.

Aufmacher-Bild: ©Xaxiraxi / Juanmi Alemany /

Informationen:

Was leisten die Ökosiegel? Greenpeace hat sie unter die Lupe genommen. Eine Liste und Beschreibung der grünen Zertifikate finden Sie hier: Textil-Label unter der Detox-Lupe, 4. Auflage 2016, hrsg. von Greenpeace

Nützliche Tipps aus Sicht einer Betroffenen gibt Sabine Schmidt bei Facebook: Hier finden Sie Ihre Sommerkollektion

 

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