In Herzogenaurach gibt es mehr als Adidas und Puma

Bei ihrer Exkursion nach Herzogenaurach wandelten die Mitglieder des Fresh Fashion Clubs auf den Spuren der textilen Vergangenheit der Stadt und besuchten die Ausstellung „Nach Strich und Faden“, die eine lebendige Szene von Textilkünstlern gestaltet hat. Unter der kundigen Führung von Helmut Biehler, Leiter Kultur bei der Stadt Herzogenaurach, wurde zunächst im Kunstraum Station gemacht. Hier zeigen 20 Mitglieder der örtlichen Vereinigung „Quilting Bee“ , welche tolle Bilde durch das Zusammensetzen von Stoffteilen entstehen können. Vom klassischen Patchwork über moderne Formen und phantasievolle abstrakte Muster bis hin zu einem Landschaftsbild, das wie gemalt aussieht, reicht die Palette. Bis zum 19. Juni ist diese erlesene Schau noch zu sehen.

Ein wunderschöner Quilt.
Ein wunderschöner Quilt.
Interessante Rohmaterialien.
Interessante Rohmaterialien.
Die Teilnehmer an der Textil-Erkundungstour.
Die Teilnehmer an der Textil-Erkundungstour.

Im Stadtbild von Herzogenaurach sieht man noch so manchen Hinweis darauf, dass es einmal 30 Schuhfabriken hier gab. Sie waren entstanden, als der technische Fortschritt die Webstühle aus den Häusern verbannte. Einst stand in jedem Haus mindestens ein großer Webstuhl – führte Biehler aus. Dies begründete den Ruf der Stadt als Hochburg der Tuchmacherei. Doch um die Jahrhundertwende war es damit vorbei. Ein findiger Herzogenauracher kam auf die zündende Idee, auf die Herstellung von Schlappen umzusteigen. Daraus entwickelte sich eine florierende Schuhproduktion. In diese Branche stiegen auch die drei Dassler-Brüder ein. Aus bescheidenen Anfängen in einem kleinen Backsteinhaus entwickelten sich nach dem 2. Weltkrieg zwei Firmen, die heute weltweit für Sportschuhe und zunehmend auch für Sportmode stehen: Adidas und Puma.

Im Heimatmuseum lässt sich ein Teil der Geschichte nachvollziehen. Hier befinden sich unter anderem eine Schusterwerkstatt, Fotodokumente und einige Schuhexponate. Für ein Sportschuh-Museum hat es im Herzogenauracher Rat noch keine Mehrheit gegeben. Dabei wäre dies sicher eine spannende Geschichte, die viele Besucher von Herzogenaurach nicht nur in die Outlets der beiden Konzerne führen würde, sondern auch in den malerischen Stadtkern. Zwar sind beide Zweige, die einst nach einem Streit zwischen Adi und Rudolf Dassler entstanden sind, immer noch sehr stark auf gegenseitige Konkurrenz und Abgrenzung bedacht, doch wäre ein Sichern der Erfolgsgeschichte beider Firmen auf jeden Fall ein Gewinn für die Region. Das sehen übrigens auch die Betreiber des Sdatmuseums so, die schon länger von einem Anbau träumen, in dem sie die historisch bedeutsamen Exponate ausstellen könnten.

Exponate von Puma und Adidas.
Exponate von Puma und Adidas.
Webstühle gab es einst in jedem Haus.
Webstühle gab es einst in jedem Haus.

Die Teilnehmer an dem Ausflug nach Herzogenaurach waren jedenfalls begeistert von dem hübschen Ortskern, den anregenden Informationen und dem Rundgang zu Tuchmacherei und Textilkunst.

 

Weitere Informationen zum Kunstraum. Die Aktion stand im direkten Zusammenhang mit dem Projekt „Gewebe. Textile Projekte“, das vom Städtenetzwerk Kultur veranstaltet wird. Hier das Programm.

Alle Bilder: Ulrich Bock

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