Gaultier macht München zur Modestadt

„Ich kann heute nicht mehr sagen, dass ich das Enfant terrible der Haute Couture bin, weil ich weißes Haar habe. Früher war es gebleicht, inzwischen ist es echt“, sagte er in München, wo er am Mittwoch bei einer Pressekonferenz eine Ausstellung über sein Werk vorstellte. In einem Videomitschnitt sagt Gaultier, dass er zuerst eigentlich gar keine solche Ausstellung wollte. „Für mich klang eine Ausstellung ein bisschen nach Tod“, sagte er. „Wenn man stirbt, kommt man ins Museum.“ Die Schau mit dem Titel „From The Sidewalk To The Catwalk“ (Vom Bürgersteig auf den Laufsteg) ist ab 18. September in der Kunsthalle in München zu sehen und hatte vorher schon in Montreal und in Paris  Station gemacht. Der Höhepunkt der Ausstellung: Schaufensterpuppen, die dank Videoprojektionen erschreckend menschlich wirken, tragen die spektakulären Entwürfe des Designers. Sie sprechen den Besucher im wahrsten Wortsinn an.

Dr. Roger Diederen (Direktor der Kunsthalle München), Conchita Wurst und Jean Paul Gaultier bei der Preview zur Ausstellung "From the Sidewalk to the Catwalk" in der Kunsthalle München am 16.09.2015 / Foto: Sabine Brauer Photos fuer Kunsthalle München
Dr. Roger Diederen (Direktor der Kunsthalle München), Conchita Wurst und Jean Paul Gaultier bei der Preview. Foto: Sabine Brauer Photos für Kunsthalle München

Die Kunsthalle feiert mit Jean Paul Gaultier ihre erste Mode-Präsentation, ihr 30jähriges Jubiläum und ihre 100. Ausstellung. Seit 40 Jahren zählt Jean Paul Gaultier (*1952), Enfant terrible der internationalen Modewelt, zu den bedeutendsten Couturiers. Wie kein Zweiter hat er mit seinen kühnen und ironischen Kreationen immer wieder unsere Vorstellung von Mode und Schönheit herausgefordert. Exklusiv in Deutschland zeigt die Kunsthalle München eine umfassende Ausstellung, in der das vielfältige und faszinierende Wirken Jean Paul Gaultiers gewürdigt wird.

Die Ausstellung ist in sieben Kapitel unterteilt. Den Anfang macht der Salon. Als kleiner Junge hielt Gaultier sich gern im Schönheitssalon seiner Großmutter auf. Er war fasziniert vom altmodischen Charme ihrer Garderobe – besonders vom Korsett, das zu einem zentralen Stück seines Œuvres wurde. Es folgen „die Odyssee“ und „Musen“. Mit den Station „Metropolis“ und „Großstadtdschungel“ begegnet man Kreationen, die er unter anderem für Filme schuf und Kleidung mit Anklängen an verschiedene Ethnien.

In seinem gesamten Schaffen macht es sich Gaultier zur Aufgabe, gängige Auffassungen gesellschaftlicher Rollen der Mode zu hinterfragen und die grundlegenden Herstellungsprinzipien des Modedesigns mutig zu erweitern. So nutzt er ungewöhnliche Materialien wie Federn, Tierhaut, Kristalle, Metalldosen oder Gummi und lässt diese in seinem Pariser Mode-Atelier mit größter Handwerkskunst oft in unkonventionellen Kombinationen zu seinen Avantgarde-Kreationen verarbeiten. Das gesellschaftliche Ideal des bekennenden Schwulen ist das Recht darauf, anders zu sein und die eigene Identität zu leben.In der Ausstellung werden ca. 160 seiner Kreationen von den frühen 1970er Jahren bis heute präsentiert. Neben den Haute-Couture- und Prêt-à-porterModellen zählen zu ihnen Kostüme z.B. für Filme Pedro Almodóvars und Bühnenoutfits für Popstars; etwa das berühmte Korsett, mit dem Madonna 1990 auf ihrer Blond Ambition Tour für Furore sorgte. Neben der Queen of Pop stellen auch Kylie Minogue und andere Stars ihre Gaultier-Unikate als Leihgaben zur Verfügung.

Ein Blick in die Ausstellung, die in sieben Kapitel gegliedert ist. Foto:  MMFA, Denis Farley Mannequins mit Projektionen: Konzept UBU/Compagnie de création
Ein Blick in die Ausstellung, die in sieben Kapitel gegliedert ist. Foto: MMFA, Denis Farley
Mannequins mit Projektionen: Konzept UBU/Compagnie de création

Text: Petra Fashion, Fotos Preview: Sabine Brauer Photos

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