FreshFashionTalk: Tracht trifft Afrika

So beliebt wie schon lange nicht mehr sind Dirndl und Lederhose. In Franken war das Trachten-Outfit lange Zeit verpönt, weil es zu sehr an die Gepflogenheiten in der Landeshauptstadt München erinnerte, mit der die Nürnberger häufig im Clinch lagen. Das scheint vorbei zu sein. Ob auf der Bergkirchweih in Erlangen oder beim Altstadtfest in Nürnberg: Überall sieht man die Spitzenblusen der Dirndl blitzen und stramme Waden in Lederbuchsen. Der Fresh Fashion Talk widmet sich diesmal dem Thema: „Tracht trifft Afrika – Wie global dürfen Dirndl und Lederhose sein?“ Am Montag, 3. Juli, diskutiert darüber ab 17.30 Uhr eine illustre Runde im Forum im Handwerkerhof Nürnberg. Der Eintritt ist frei.
Traditionell mit modischen Anklängen präsentiert sich das Dirndl heute. Bild: Orlando Fashion
Im Handwerkerhof Nürnberg findet wieder ein TrachtenTalk statt. Bild: Orlando Fashion
Das Fachwerk-Dorf gegenüber vom Nürnberger Hauptbahnhof ist die richtige Umgebung für eine intensivere Beschäftigung mit dem Traditionsgewand. Mitglieder des Fresh Fashion Clubs wie Nélie Tchmaba, Designerin aus Kamerun, Barbara Hanne, im Vorstand des Fachverbands Textil e.V., und Katrin Weber, neue Leiterin der Trachtenforschungsstelle des Bezirks Mittelfranken werden sich mit verschiedenen aktuellen Einflüsse auf Dirndl und Lederhose beschäftigen. Die beiden Journalistinnen Nicola Mögel  und  Petra Nossek-Bock moderieren den ebenso unterhaltsamen wie informativen Talk. Die Veranstaltung knüpft an den ersten Fresh Fashion Talk zum Thema Tracht an. Im vergangenen Jahr ging es um das Heimatgefühl und was Dirndl und Kimono gemeinsam haben.

 

Clubmitglied und Designerin Nélie mit einem selbstentworfenen Dirndl.
Unser Fresh Fashion Clubmitglied Nélie Tchamba verliebte sich gleich in das Dirndl. Als die Inhaberin des Labels Made by Africans  nach Deutschland kam, nähte sie eins nach eigenen Vorstellungen. Wie steht die Designerin mit afrikanischen Wurzeln, die momentan in Herzogenaurach lebt, heute zur Tracht? Ein kleines Interview:
Hast Du selber ein Dirndl entworfen?
2011, als ich nach Bayern zum ersten Mal gekommen bin, war ich fasziniert von den eleganten Damen, die diese schönen traditionellen Kleider trugen. Ich wollte damals unbedingt ein Dirndl mit Afrikanischem Style haben. Zurück nach Kaiserslautern, wo ich damals wohnte, versuchte ich mich zu erinnern wie die Trachten aussahen, die ich in Ingolstadt gesehen hatte. So hatte ich mir dieses Dirndl zu Weihnachten genäht (Bild links).
Das Teil wurde für eine Modenschau  ausgeliehen und leider beschädigt. Ich habe aber diese sechs Jahre alte Bilder wieder gefunden. Heute finde ich das Dirndl na ja, nicht so schön gelungen. Aber mittlerweile weiß ich ganz genau, welche Schnitte und Details dazu gehören.
Wie lange benötigst Du für das Schneidern einer Tracht?
Das Schneidern an sich dauert nicht sehr lange. Was dauern kann ist die Anlieferung der Stoffe und Accessoires, falls Sie zum Beispiel in Afrika oder in anderen Ländern bestellt worden sind.
Wie viel würde eine solche Anfertigung für die einzelne Kundin kosten?
Es kommt darauf an, welche Materialen/Stoffe benutzt werden. Ein Dirndl mit handgewebtem Stoff wird am Ende viel mehr kosten als eins mit industriell bedrucktem Stoff. Dazu würde ich sagen, die Kundinnen sagen mir einfach, wie viel Sie ungefähr ausgeben wollen, dann versuche ich, schöne originale Trachten zu machen.
Bilder: privat

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