Ein weißer Hosenanzug wird zum politischen Statement

Es gibt First Ladies in Amerika, die mit ihrem Stil einen Einfluss auf das Frauenbild des Landes hatten, so dass sie im heutigen Sprachgebrauch als Influencerin bezeichnet würden. Jacqueline Kennedy gehört dazu, aber auch Michelle Obama und Melania Trump. Sie durchbrechen im Gegensatz zu der erst kürzlich verstorbenen Barbara Bush die Reihe ihrer Vorgängerinnen, die sich mit Perlenkette und grauem, sorgfältig frisierten Haaren immer ein bisschen ähneln.

Die Wissenschaftlerin Stefanie Schäfer analysiert scharfsinnig den Einfluss der amerikanischen First Lady auf das Frauenbild und die Mode in den USA.

Mit der aktuellen First Lady und ihrer Vorgängerin beschäftigt sich die Wissenschaftlerin Stefanie Schäfer intensiv in ihrem Vortrag „Von Michelle zu Melania. Mode, Feminismen und First Ladies in den USA“. Bei ihrem Referat im Deutsch-Amerikanischen Institut in Nürnberg stellt sie unter anderem fest, dass die Frauen an der Seite eines der mächtigsten Staatsoberhäupter der Welt vor allem die Persönlichkeit und Position ihres Mannes widerspiegeln. Das treffe auf alle amerikanischen First Ladies zu – so emanzipiert sie sich auch geben mögen.

Die First Lady-Rolle wird vor allem in den amerikanischen Medien diskursiv verhandelt zwischen Feminismen, Körperkult, Modeindustrie und medialer Hyperpräsenz. Anhand von historischen Aufzeichnungen, literarischen Annäherungen und aktuellen Beobachtungen zeichnet Stefanie Schäfer in ihren Ausführungen ein Bild von den First Ladies, die deren Leben eingezwängt in einem engen Korsett aus Rollenklischee, Konventionen und eigener Gestaltungsfreiheit erscheinen lässt.

Während sich die erste farbige First Lady Michelle Obama selbstbewusst zeigt und mit ihrem Kleidungsstil wohl überlegt Zeichen setzt, ist Melania Trump so unsichtbar, dass sich ihr eine Literatin mit einer Novelle nähert, in dem sie fiktiv Mrs. T.s Situation reflektiert. Immer im Scheinwerferlicht stürzen sich Reporter auf jede Nuance im Outfit der First Ladies. Michelle Obama hat als Reaktion darauf zehn goldene Regeln formuliert, die sie immer beachtete, wenn sie einen öffentlichen Auftritt hatte. Wie gut ihr diese Leitlinien durch die Präsidentschaft ihres Mannes geholfen haben, ist nicht zuletzt daran abzulesen, dass von ihr ein Bild im Gedächtnis bleibt als eine Frau mit muskulösen Oberarmen, einem Gespür für Mode und einem eleganten eigenen Kleidungsstil.

Die zehn Dos and Don’ts der Rechtsanwältin und politischen Aktivistin Michelle Obama:

  1. Sprich nicht über Mode.
  2. Habe niemals Angst, Farben zu tragen.
  3. Trage immer dieselbe Absatzhöhe.
  4. Schaue gut aus, selbst wenn du im Gemüsegarten bist.
  5. Schaffe Überraschungen
  6. Mache ein Accessoire zu deinem Markenzeichen.
  7. Mache deine täglichen Fitnessübungen.
  8. Unterstütze junge Designer.
  9. Bleibe am Boden, trage z.B. ab und zu H&M.
  10. Denke global und trage amerikanische und internationale Designer.

Melania Trump hat sicher einiges davon beherzigt. In ihrer noch relativ kurzen Phase an der Seite von Donald Trump hat sie bereits einiges bei ihren öffentlichen Auftritten geändert. So trug sie statt der gewohnten High Heels Turnschuhe und Jeans, als sie mit ihrem Mann in einem Hochwassergebiet das Ausmaß der Katastrophe besichtigte. Häufig in den Medien als schmückendes Beiwerk bezeichnet, als Gefangene im goldenen Käfig, entwickelt das ehemalige Model immer wieder eine eigene Symbolik.

In den USA wird diese verstanden. In der Debatte um sexistische Übergriffe bei weiblichen Hollywood Stars ist schwarze Kleidung Symbol der „Me too“-Bewegung geworden. Als Hillery Clinton den Einzug ins weiße Haus verfehlte, kamen etliche Abgeordnete im weißen Hosenanzug zur Sitzung und drückten so ihr Bedauern über das Wahlergebnis aus, erklärt Stefanie Schäfer. Als Melania Trump kürzlich im weißen Hosenanzug an der Seite ihres Mannes stand, rätselten die Medien über Grund ihrer Kleiderwahl. Ob dies mit der kürzlich bekannt gewordenen Affäre ihres Mannes zusammenhängt – oder mit dem Abrücken von einer seiner politischen Positionen? Aber unstrittig war, dass die First Lady damit ein Zeichen setzen wollte.

In Deutschland ist die Rolle der Frau an der Seite des Bundespräsidenten eine völlig andere, betont die Wissenschaftlerin von der Universität Jena. Geprägt durch die Bildersprache des  Naziregimes wird von symbolhafter Kleidung in politischen Ämter bis heute Abstand genommen. Das gilt auch für die deutsche First Lady. Daniela Schadt bevorzugt ebenso wie ihre Nachfolgerin Elke Büdenbender einen eleganten, weltläufigen Stil. Einzig Bettina Wulf setzte auf glamouröse Auftritte und verband Mode mit Politik auf eine Weise, die an die amerikanische Kultur anknüpfte.

Die Referentin Dr. Stefanie Schäfer ist Visiting Professor of American Studies (Literature and Culture) Chair Prof. Heike Paul an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Bilder: DAI und pnb

 

 

 

 

Categories: Stories

Tags: ,,,,,,,,,,

Comments are closed