Der verführerische Glanz prunkvoller Seide

Echter Luxus überdauert Jahrhunderte und strahlt immer noch die Erhabenheit des Besonderen aus. Dies trifft auf das zentrale Schaustück der Ausstellung „Luxus in Seide“ zu, die bis zum 6. Januar 2019 im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg zu sehen ist. Eingebettet in kulturhistorische Exponate nimmt das prunkvolle Seidenkleid den Betrachter mit in eine Epoche, in der höfisches Leben die Mode prägte. Das kostbare Ausstellungsstück ist um 1760 angefertigt worden. Etwa 100 weitere Exponate bilden den Rahmen der sehenswerten Kulturgeschichte.

Seidenkleid, um 1760

Die ursprüngliche Besitzerin des ausladenen Kleids aus dem schimmernden Stoff war wohl eine 17jährige Pfarrrstochter, die das Festtagsgewand zu ihrer Hochzeit trug. 250 Jahre lang befand sich das in der äußerst seltenen Schnittform der „Taille-Andrienne“ gefertigte Stück im Besitz einer mitteldeutschen Familie. Diese wollte sicherstellen, dass es fachgerecht aufbewahrt und richtig konserviert wird. So gelangte das Kleid 2017 nach Nürnberg in den Fundus des Germanischen Nationalmuseums. Nun steht es im Mittelpunkt der Präsentation, die von Dr. Adelheid Rasche, Sammlungsleiterin für Textilien, Kleidung und Schmuck, entworfen wurde.

Sonnenschirm aus Leinen um 1780.

In einem dunklem Ambiente unter Einsatz eines ausgeklügelten Systems von Spiegeln lässt sich die damalige Mode mit Reifrock und Fischbein-Korsagen sinnlich erleben. Die außergewöhnlich gut erhaltene Farbigkeit des Kleides und des Blumendekors schmeichelt dem Auge. Für den Geruchssinn wurde ein ganz besonderer Duft von MarieLe Febvre geschaffen. „Flora Grand Poudre“, so der Name, ist eine äußerst kostbare Essenz, die im Ausstellungsraum verströmt. Die Komposition ist eine zeitgenössische Interpretation eines Puderdufts des Rokoko, bestehend aus Florentiner Schwertlilie, Rose, Nachthyazinthe, Orangenblüte, Narzisse, Heliotrope, Sandelholz, Moschus und Zibet.

Zusammen mit luxuriösem Schmuck, Accessoires und „Galanteriewaren“, wie Kopfbedeckungen und Kragen, Fächern und Handschuhen, Seidenstrümpfen und Schuhen, ermöglicht die Ausstellung einen faszinierenden Einblick in die opulente Welt der Damenmode des 18. Jahrhunderts. Vieles stammt aus den eigenen Beständen des Germanischen Nationalmuseums, einiges aus einer Schweizer Privatsammlung. Zusätzliche Dokumente, wie Karrikaturen und Anziehpuppen, ergänzen die Schaustücke.
Bei der Eröffnung der Ausstellung war das Interesse sehr groß. Bild: Hans Schmidt
Die Nürnberger Ausstellung ist bis zum 6. Januar 2019 zu sehen. Öffnungszeiten Di, Do bis So jeweils 10 bis 18 Uhr, Mittwoch 10 bis 21 Uhr. Eintritt 8 €, ermäßigt 5 €.
Begleitend zur Ausstellung ist Band 19 der Kulturhistorischen Spaziergänge zum Preis von € 12,50 erschienen. Infos zum Begleitprogramm hier.
Alle Bilder: GNM

 

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