Das war im 17. Jahrhundert chic

Noch kein Jahr ist es her, dass im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg eine große Ausstellung über die Mode im Barock und in der Renaissance sattfand. Jetzt zieht das Hessische Landesmuseum nach. „Chic – Mode im 17. Jahrhundert“ heißt die Präsentation, die noch bis zum 16. Oktober in Darmstadt gezeigt wird. Insgesamt 18 Kostümoberteile werden dort neben zahlreichen Bildern der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es handelt sich überwiegend um Kleidung, die einst von wohlhabenden Männern und Frauen der Kölner Gesellschaft getragen wurden. Sie entstanden zwischen 1610 und 1675. Nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten durch die Abegg Stiftung in Riggisberg in der Schweiz sind diese Raritäten überhaupt vorzeigbar. Vorher schlummerten sie weitgehend unbeachtet im Depot.

Dieses Paar Schuhe stammt aus der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts und wurde in Deutschland oder den Niederlanden getragen.
Dieses Paar Schuhe stammt aus der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts und wurde in Deutschland oder den Niederlanden getragen.

Wämser, Mieder und Oberröcke beeindrucken durch ihre Materialien, darunter Seide und Samt, Spitzen und Bänder, Accessoires und ein rarer Bestand an Schuhen. Sie stammen übrigens aus derselben Epoche wie die Exponate der Nürnberger Ausstellung.

Dieses Paar Herrenschuhe wurden um 1660 getragen.
Diese Herrenschuhe wurden um 1660 getragen.

Es ist meiner Meinung nach bemerkenswert, dass nun zunehmend ein Bewusstsein entsteht, dass diese Schätze durchaus kulturhistorischen Wert haben und viel über das Leben in früheren Epochen aussagen. Sie sind ebenso wie Mode heute, ein Ausdruck des Zeitgeistes, erzählen Geschichten über die Vorlieben der Vorfahren. Diese Raritäten der Kostümgeschichte regen an, über die Sitten und Gebräuche nachzudenken. Der Erfolg der Nürnberger Ausstellung und die Darmstädter Präsentation sind ein Zeichen dafür, dass Mode inzwischen auch in den Museen aus historischer Sicht einen größeren Stellenwert hat als noch vor zwanzig Jahren. Längst wurde erkannt, dass sie mehr als schmückendes Beiwerk oder notwendiges Alltagsgut ist. Ich glaube, dass Mode aus zurückliegenden Epochen  Designern wertvolle  Anregungen gibt. Denn manches Stück, wie auch das rote Korsett dieser Ausstellung, würde in der Gegenwart noch Käuferinnen und Trägerinnen finden. Denn es ist très chic.

Der Wams wurde vermutlich um 1630 in Köln getragen.
Der Wams wurde vermutlich um 1630 in Köln getragen.

Informationen zur Ausstellung und zum Begleitprogramm finden sich hier. Auch eine Ausstellungsbesprechung.

Text: Petra

Bilder: Wolfgang Fuhrmannek, Hessisches Landesmuseum

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