Billigmode schadet den Menschen und der Umwelt

Die Bekleidungs- und Textilindustrie hat auch heute noch einen „ökologischen Fußabdruck“ weitab von Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit.

Doch es geht auch anders. Beim 2. FreshFashionDay im Oktober 2018 diskutierten die Teilnehmerinnen „nachhaltig, neuartig, neugierig“ die Mode von heute für morgen. Ganz passend zum Thema veröffentlichten Kirsten Brodde und Alf-Tobias Zahn zeitgleich im oekom-Verlag ihren Guide für alle, die Wegwerfmode satthaben.

In den Jahren 2000 bis 2016 hat sich die Menge der Textilproduktion weltweit verdoppelt. Jeder Deutsche kauft 60 Kleidungsstücke im Jahr, das sind fünf Stücke im Monat. Und: bis zu 40 Prozent unserer Kleidungsstücke tragen wir nie oder zumindest nur sehr selten. So bleiben also zwei bis drei der neuen Stücke ungenutzt im Kleiderschrank.

Die Textilindustrie und große Modeunternehmen reden über Nachhaltigkeit und fördern Recyclingprojekte, doch tatsächlich wechseln sie mindestens einmal im Monat die Kollektion. Unternehmen wie Zara sind der Inbegriff für „Fast Fashion“ oder Wegwerfmode. So schnell wie möglich werden die Outfits von den Laufstegen der Welt kopiert und zum Schnäppchenpreis verkauft. Manchmal dauert es vom Entwurf bis in den Laden nicht einmal zwei Wochen. H&M musste 2017 zugeben, unverkaufte Neuware zu verbrennen. „Allein in Dänemark wurden von der Firma seit 2013 jährlich 12 Tonnen Kleidung verbrannt.“ (S.11). … und H&M ist keine Ausnahme.

Dabei ist der Herstellungsprozess eines Kleidungsstücks mit viel Ressourcen, Energie, Wasser und Arbeitskraft verbunden. In der Textilindustrie arbeiten weltweit etwa 75 Millionen Menschen, überwiegend Frauen, und oftmals unter miserablen Bedingungen. Bei Baumwollpflanzungen kommen ungeheure Mengen Pestizide  zum Einsatz und belastet die Umwelt. Außerdem verlangt die Baumwolle kolossale Mengen an Wasser, das den Menschen und der Natur vor Ort zum Leben fehlt.

Brodde und Zahn sind keine Miesmacher. Sie fordern uns Verbraucherinnen zum bewussten Konsum auf. Geben eine Anleitung und starten eine Revolution im Schrank. Es geht ihnen um mehr Qualität bei der Kleidung, um weniger Kleidung und das längere Tragen der Lieblingsstücke. Ein eigener Stil hilft dabei, sich selbstbewusst dem Angebot der Textilindustrie zu stellen.  Hochwertige Stoffe halten mehrere Waschgänge aus und die Kleidungsstücke daraus kann man auch reparieren.

Ein praktisches Buch, das gerade Modebegeisterte unbedingt lesen sollten.

Informationen:

Kirsten Brodde, Alf-Tobias Zahn

„Einfach anziehend. Der Guide für alle, die Wegwerfmode satthaben: In 10 Schritten zum öko-fairen Kleiderschrank“

oekom verlag München, Oktober 2018
ISBN-13: 978-3-96238-054-0
Preis: 15 Euro

Text: Nicola Mögel

Categories: Stories

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