Antwerpen würdigt Martin Margiela – ein Pionier des Upcyclings

Richtungsweisende Dekonstruktion und zeitloser Luxus – die beiden Welten des belgischen Designers Martin Margiela – bilden die Grundlage für die Frühjahrsausstellung 2017 im ModeMuseum von Antwerpen. Die Präsentation „Margiela, die Hèrmes-Jahre“ wird vom 31. März bis zum 27. August 2017 gezeigt. Sie würdigt einen Designer, der zu einem Zeitpunkt das Thema Recycling in die Haute Couture brachte, als es noch eher ein Nischenthema war – nämlich in den späten Achziger Jahren. Bei seinen Kreationen werden bereits existente, recyclete Kleidungsstücke auseinandergenommen und neu zusammengesetzt, die Nähte nach außen gewendet.

Maison Martin Margiela S/S 2009, Bild: Giovanni Giannoni,
Hermès S/S 1999, Bild: Studio des Fleurs

In einem Begleittext zu der Ausstellung heißt es: „Als Martin Margiela im Oktober 1997 Chefdesigner für die Damenmode des französischen Modehauses Hermès wird, gilt er mit seinem eigenen Modehaus Maison Martin Margiela schon fast ein Jahrzehnt lang als einer der einflussreichsten avantgardistischen Designer. Seine Vorlieben für Dekonstruktion, Recycling und Wiederverwertung von Materialien gelten seinerzeit als spektakulär in der Modewelt. Der konzeptuelle Ansatz bei Präsentation, Verkauf und Kommunikation seiner Kollektionen hat unsere Ansichten über Mode und das System dahinter – sowie unsere Sicht von Handwerk, Handel, Urheberschaft und Innovation für immer verändert.“

Hermès A/W 2001-2002 Kragenlose Jacke und Hosen aus  Kaschmir und Seide. Bild: Ralph Mecke

Als Jean-Louis Dumas, der damalige CEO von Hermès, Margiela Ende der 1990er Jahre für seine Damenmode ins Unternehmen holt, stellt sich das als eine sehr gewagte Entscheidung heraus, die nicht den Entwicklungen der damaligen Modelandschaft entsprach. Zu dem Zeitpunkt gelingt es einer Gruppe wie LVMH, verschiedene führende Designer an sich zu binden, um in den traditionellen französischen Modehäusern für frischen Wind zu sorgen.

So beginnt Marc Jacobs in derselben Saison bei Louis Vuitton. John Galliano verbindet man mit Christian Dior, und Michael Kors verpflichtet sich für Céline. Dass sich Hermès, das Paradestück des französischen Luxus, für Margiela entscheidet – einen Ikonoklasten, der sich ganz bewusst für die absolute Anonymität entscheidet, und noch kein einziges Interview gegeben hat -, stößt auf Verwunderung. Die Modepresse spekuliert in allen Tönen, ob Margiela seine Dekonstruktion auch auf das Hermès-Patrimonium überträgt.

Zwischen 1997 und 2003 bringt Margiela für Hermès seine umfassende und konsequente Sicht des heutigen Luxus in zwölf aufeinanderfolgenden Kollektionen zum Ausdruck. Die Hermès-Frau macht, seiner Ansicht nach, die Betonung auf Komfort, Zeitlosigkeit und Haptik im Einklang mit einem destillierten Design aus. Mit dem Bild, das er für Hermès schafft, bringt er die Fachpresse zum Staunen, dennoch anders als erwartet. Seine schlichte und monochrome Farbpalette unterscheidet sich von den für Hermès typischen, farbenfrohen Drucken. Unterstützt durch die überragende Fachkompetenz der Hermès-Ateliers gelingt es ihm, seine Designs und Schnitte zu perfektionieren. Dem geht auch eine umfassende Materialprüfung voraus, dank derer nicht nur der Tragekomfort gesteigert wird, sondern auch zahlreiche Innovationen eingeführt werden.

 

Das ModeMuseum Antwerpen zeigt erstmals die von Martin Margiela entworfenen Hermès Kollektionen. Zudem werden auch Zusammenhänge mit seinem eigenen Label Maison Martin Margiela hergestellt. Bis heute ist der Einfluss seiner Arbeit für Hermès in der Arbeit zahlreicher heutiger Designer zu spüren. Obwohl Martin Margiela seit über acht Jahren nicht mehr in der Modewelt aktiv ist, wurde er auf der Pariser Modewoche für die Herbst-/Winterkollektion 2016/2017 von der internationalen Fachpresse als eigentlicher Protagonist der französischen Modewoche bezeichnet.

Weitere Infos zur Ausstellung hier.

Maison Martin Margiela A/W 1991-1992, Bild: Marina Faust
Hermès A/W 2002-2003 ‘Les Gestuelles’, Bild: Marina Faust
Maison Martin Margiela A/W 1992-1993, Bild: Marina Faust
Hermès A/W 2002-2003 Tunika Pullover aus Cashmere, Hose in Cashmere Flanell, Bild: Stany Dederen

Das Aufmacher-Bild zeigt einen Hermès Trenchcoat aus der Sommersaison 2003. Bild: Stany Dederen

Categories: Stories

Tags: ,,,,,,,,

Comments are closed