9000 Schnüre werden zu einem Farbregen

Was entsteht aus einer großen Menge von Seilen, die sonst bei der Ausstattung von Segelbooten verwendet werden, wenn man sie jungen Textildesignern in die Hand gibt? Das Ergebnis kann sich auf jeden Fall sehen lassen und begeisterte die Gäste eines exklusiven Events. Nämlich des Festes zum 50. Geburtstag der Unternehmensgruppe Südwolle im Neuen Museum Nürnberg. Der Fresh Fashion Club hatte seine Mitglieder eingeladen, die kleine feine Ausstellung mit Werken von Studierenden der Hochschule Hof, Campus Münchberg unter Führung von Professorin Martina Ziegenthaler anzuschauen.

Tolle optische effekte zaubert dieser Schnürregen.
Tolle optische effekte zaubert dieser Schnürregen.

Die kundige Führung ist notwendig, wenn es um die Inhalte der Werke geht. Die Optik vermittelt sich von ganz allein wie bei dem Kunstwerk „Infinity“ aus 9000 Schnüren und glänzenden runden Platten, auf die sich die Besucher stellen konnten. Ein Augenschmaus für Fotografen, die mit dem CMYK-Farbregen spielten. Diese Arbeit von Simone Krebs und Magdalena Prockl wurde übrigens wie alle anderen gezeigten Werke bereits von Südwolle angekauft.

Infussion erinnert an ein wichtiges Kapitel Textilgeschichte in Münchberg.
Infussion erinnert an ein wichtiges Kapitel Textilgeschichte in Münchberg.

Ebenso beeindruckend ist der Rückgriff auf die Textilgeschichte Münchbergs, den Lismarie Tuy und Philipp Sturm mit ihrer Installation „Infussion“ machen. Die beiden thematisieren den Einfluss der Textilindustrie im wahrsten Sinne des Wortes, denn damals wurde der Fluss, der durch den Ort führt, an Stofffärbetagen in unterschiedliche Farbtöne getaucht. Eine Farblösung aus Infusionsflaschen tropft auf die Stoffwand und hinterlässt reizvolle Spuren.

Den Publikumspreis an dem Geburtstagsabend erhielt aber die ebenso einfache wie wirkungsvolle Arbeit von Anne Böhm und Vanessa Kümmerer. Die beiden jungen Frauen haben Reststücke in Epoxydharz gegossen und sie auf einem Leuchttisch drapiert. Die klaren viereckigen Würfel mit den eingeschlossenen Spulen und Fäden überzeugen mit ihrer Ästhetik, aber auch mit ihrer Aussage.

Auch alle anderen Präsentationen nutzten die Wirkung von ausgefallenen Materialien wie weißen Industrieflies, um die Wandlungsfähigkeit von Textilem zu demonstrieren. Ein Wand hohe Installation aus weißen Stoffbahnen zeichnet die Entwicklung nach, die mit den ersten Baumwollfunden um 5000 v. Chr. beginnt und über verschiedene Stationen wie die Züchtung von Merino Schafen in Spanien im 14. Jahrhundert bis zur Neuzeit führt. Jedes bedeutsame Datum in der Textilgeschichte wäre eine eigene Betrachtung wert. Vielleicht wird der rote Faden der Ausstellung zu einem späteren Zeitpunkt weitergesponnen. Wünschenswert wäre es auf jeden Fall, meinten die Mitglieder des Fresh Fashion Clubs.

Über die Ausstellung wird es eine Dokumentation geben. Am 9. Juli ist eine Fahrt nach Hof/ Münchberg für Clubmitglieder geplant. An diesem Tag zeigen Absolventen der Hochschule Hof/ Campus Münchberg ab 16 Uhr mit einer Modenschau ihre Modelle.

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Weitere Infos hier.

Bilder: Orlando Fashion

Categories: Stoffe

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