23 T-Shirts und eine Botschaft: Nachhaltige Mode liegt im Trend

 

Die T- Shirts in der Ausstellung sind aus einem Biowolle-Hanf-Jersey hergestellt.

Plakativ stehen die Botschaften auf den 23 T-Shirts. Sie sind der tragende Teil einer ungewöhnlichen Ausstellung mit dem Titel: „Gentle Machine 10 % sind genug“. Bis Ende April 2021 wandert die Präsentation zum Thema nachhaltige Mode durch verschiedene Geschäfte und Kulturzentren in Nürnberg.

Was für eine grandiose Idee, ausgerechnet T-Shirts als Leinwand für die kritischen Aussagen zu machen! Schließlich nutzen große Hersteller diese Fläche schon lange als Werbung für die eigene Marke. Die Käufer verbreiten die Werbebotschaft massenhaft und finden das ganz normal. Egal ob Sportmarken oder Fashionlables: Vorder- und Rückseite des beliebten Kleidungsstücks ist längst mehr als ein dekoratives Element.

Bei „Gentle Machine“ wird dieser Effekt bewusst genutzt. Allerdings anders als im kommerziellen Kontext. Schließlich geht es hier um Aufklärung. Denn die dekorativen T-Shirts mit der politischen Wirkung gibt es nicht zu kaufen, wie Initiatorin Wanda Leuthe ohne Bedauern sagt. Das Kalkül der Projektleiterin, die selbst mit YAR ein Fashionlabel betreibt, geht auf. Der Kaufimpuls schlägt in leichten Frust um und im besten Fall führt es dazu, dass man sich intensiver über die Aktion informiert.

Hierbei ist die als Online Shop konzipierte Ideen- und Informationsplattform eine perfekte Ergänzung. Sie bietet auf ansprechende Weise jede Menge Material zum Nachdenken. Dabei bedient sich die Gestaltung des Shops einer ähnlichen Mimikri-Methode wie die T-Shirts Präsentation. Der Besucher der Webseite landet scheinbar bei einem Online-Versandhandel für Kleidung.

Der Käufer erhält statt der bestellten Ware eine umfassende Information über alternative Formen zu Fast Fashion, dem Ressourcen verschwendenden System. Per Mail mit Download Link kommen die „Gebrauchsanleitungen“, beispielsweise für die Organisation einer Kleidertauschbörse oder ähnliche Tipps, ins digitale Postfach.

Die „Fashion for Future“ Organisatoren, darunter das Quellkollektiv, hatten zunächst einen ganz anderen Ansatz für die „Gentle Machine“. Das von verschiedenen Seiten geförderte Projektteam hatte zunächst geplant, einen Pop Up Shop an einer attraktiven Stelle in der Nürnberger Innenstadt einzurichten. Doch durch die Corona Krise waren ihre Pläne im Frühjahr 2020 nicht umsetzbar. Die Gruppe entwickelte eine neue Präsentationsform. Mit ihrem aktuellen Ansatz erreichen sie weitaus mehr Menschen als mit dem ursprünglichen Konzept, ist Wanda Leuthe überzeugt.

Die zweite Station war Vintys in Gostenhof.

Immerhin sind 23 Stationen bis Ende April geplant. Die letzte Aktionswoche deckt sich mit der Fashion Revolution Week. Damit ist „Gentle Machine“ ein Netzwerkpunkt innerhalb einer breiten Bewegung zur Abkehr von „Fast Fashion“, dem System, das derzeit den Modemarkt bestimmt. Welche Station trotz der Beschränkungen des öffentlichen Lebens angesteuert werden, ist auf der Webseite einsehbar.

Was an der Idee der Wanderausstellung überzeugt ist der Ansatz, nicht nur auf nachhaltige Rohstoffe bei der Produktion von Kleidung zu setzen, sondern auch die Vermarktungs- und Konsumgewohnheiten zu entblößen. Deshalb sucht das Projekt langfristig die Zusammenarbeit mit Bildungsstätten. Außerdem gehört die Einrichtung eines dauerhaften Stützpunkts für Kleidertausch und nachhaltige Mode zu den langfristigen Zielen der Gruppe. Dafür setzen sie auf eine wachsende Community, Crowdfunding und vielseitige Unterstützung.

Nach dem erfolgreichen Start soll es bundesweit Schule machen und 2022 in verschiedenen Städten zu sehen sein.

Unser Aufmacher-Bild zeigt Wanda Leuthe, Projektleiterin von Gentle Machine.

Bilder: Petra Nossek-Bock

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